Unser Projekt

Wie alles begann

Mein Name ist Marcel und 2019 war das verrückteste Jahr meines Lebens. Wenn Sie mir 5 Minuten geben erzähle ich Ihnen wie innerhalb eines Jahres nicht nur mein Leben, sondern auch das einiger Familien am anderen Ende der Welt grundlegend verändert wurde.

Alles fing im Januar an, als ich mit 24 Jahren aus Brasilien wiederkam. Ich hatte 3 Monate in einer Kindertagesstätte mitgearbeitet. Dort fiel mir zum ersten mal auf, wie gesamtgesellschaftliche Teufelskreise funktionieren. Es war sehr wahrscheinlich, dass die Kinder in die wir uns investierten, ähnlich schlechte Aussichten hatten wie Ihre Eltern. Ich kam wieder und war ratlos. Wie war es möglich, solche Kreisläufe zu durchbrechen, neue Auswege zu schaffen? Mit diesen Fragen traf ich auf Waldemar. Waldemar war ein besonderer Mensch. Für Ihn war alles ganz einfach und die Welt ganz klein. Er sah die Zusammenhänge zwischen unserem wirtschaften hier und der Welt ganz weit weg. Wir verstanden uns auf anhieb sehr gut und bereits nachdem wir uns das erste mal gesehen haben schrieb er mir eine Nachricht: Warum lösen wir nicht zusammen ein Problem? Lass uns ein Unternehmen gründen. Er erzählte mir von seiner Reise nach Pakistan. Er sagte mir, dass er noch nie so schöne Ziegelsteine gesehen hatte wie in diesem Land, da in solchen Ländern die Ziegel noch mit der Hand gefertigt werden und dadurch der Eindruck entsteht als wären diese 100 Jahre alt, weil jeder Ziegel einzigartig aussieht.

Ich fragte bei einer Organisation nach, ob Sie bereits Projekte in Pakistan betreuen, denn wir brauchten vertrauenswürdige Kontakte. Wir fanden durch Maggy eine echter powerfrau mit super Kontakten nach Pakistan, welche uns einlud mit Ihr das Land zu besuchen. 

Kurze Zeit später flogen wir also nach Pakistan. Ein kurzer Stopp im neureichen Doha und schon waren wir in Lahore, Pakistan. Noch nie hatte ich so eine Gastfreundschaft erlebt wie da. Am nächsten Tag ging es dann zu den Ziegelfeldern, wo die Ziegel geformt und gebrannt wurden. Die Felder befanden sich außerhalb der Stadt und sollten den schnellen Wachstum der Stadt mit Ziegeln ermöglichen. Auf den Ziegelfeldern angekommen, traf uns der Schock mitten ins Gesicht. Wir waren sprachlos, als wir die vielen Menschen sahen, die den Lehm in eine Ziegelform pressten. Noch nie in meinem Leben habe ich in so hoffnungslose Gesichter geschaut. Keinen Schimmer der Zuversicht oder der Lebensfreude. Diese Menschen saßen da und formten einen Ziegel nach dem anderen. 1000 Ziegel pro Tag. Der Lehm wurde wie ein Teig in eine Form gepresst, glatt gezogen und dann umgedreht.

Sofort fragte ich unseren Begleiter wie so ein Leid möglich ist? Dieser antwortete so deutlich wie knapp: “Schuldsklaverei” sagte er. “Den meisten Arbeitern hier, blüht das selbe Schicksal. Diese Arbeiter hier werden pro hergestelltem Stein bezahlt. Hier in Pakistan gibt es aber zwei Monate im Jahr wo die sogenannte Monsunzeit einsetzt, die Regenzeit. Da die Ziegel unter freiem Himmel hergestellt werden, wird es in diesen Monaten sehr schwer Ziegel herzustellen. Somit verdienen diese Arbeiter deutlich weniger Geld. In dieser Zeit kommt der Chef dieser Ziegelei auf seine Arbeiter zu und bietet Ihnen einen Kredit an, um diese Zeit überbrücken zu können und die Familie zu versorgen. In dieser ausweglosen Situation nehmen viele Arbeiter das Geld an und stehen ab diesem Zeitpunkt in der Schuld des Inhabers. Sie wissen ganz genau: Bis Sie diesen Kredit nicht abbezahlt haben, sind die Arbeiter verpflichtet für diesen Inhaber zu arbeiten. Das Problem hierbei ist, dass ein großer Teil Ihres Einkommens nun in die Tilgung dieses Kredites fließt und Sie weniger zum leben haben. So sind sie gezwungen noch mehr Kredite aufzunehmen und geraten immer tiefer in den Teufelskreis. Kommen dann andere ungeplante Ausgaben, wie Krankheiten oder andere Schicksalsschläge hinzu, müssen Sie noch mehr Ziegel herstellen um sich finanzieren zu können. So kann es passieren, dass die ganze Familie nur noch damit Beschäftigt ist Ziegel herzustellen um sich finanzieren zu können. 

Als wir dann zu den Backsteinmauern, am Rande der Ziegelfelder kamen wurde uns langsam bewusst das in diesen knapp 8 m² die Arbeiter mit Ihren Familien lebten. Dieser Sandboden, überdacht mit einem Wellblech, war offensichtlich deren Unterkunft geworden.
Als wir weiter gingen, sahen wir eine alte Dame dort stehen die verzweifelt zu uns sagte: “200.000”. Erstaunt fragten wir unseren Guide: “Was meint Sie?” Daraufhin antwortete er trocken: “Das ist Ihre Schuld von Ihr und Ihrem Mann. Sie haben sich mit 200,000 Rupien (Damals ca. 1.200€) verschuldet. Es sieht nicht so aus als ob Sie Ihr Leben nochmal woanders führen werden als hier.” 

Intuitiv fragten wir den Guide: “Was ist wenn wir die Schuld dieser Dame bezahlen?” Unbeeindruckt sagte dieser: “Und dann? Wenn du die Schuld am Freitag bezahlst, sind Sie am Montag wieder hier und werden bei dem Besitzer weiterarbeiten und wieder in diesen Teufelskreis rutschen, weil Sie keine Alternative haben. Es gibt NGOs die haben alleine in dieser Stadt schon über 1000 solcher Kredite abgezahlt, aber ermutigen die Arbeiter weiterhin dort zu bleiben, weil Sie Ihnen auch keine Alternative bieten können”.
Ab diesem Moment wussten wir, dass wir etwas tun mussten. Wir mussten eine echte Alternative schaffen. Eine Alternative die weitergeht als die bloße Abzahlung der Kredite. Wenn wir helfen würden müsste die Hilfe umfassender, nachhaltiger und langfristiger sein.

Wir wussten: Um diesen Menschen wirklich zu helfen, mussten wir diesen Menschen eine Alternative zu dieser Arbeit geben. Eine Alternative mit einem Produkt das Sie bereits gut kennen und mit dem keiner so gut umgehen kann wie Sie: Dem Ziegelstein. Wir fragten uns: Was ist, wenn wir die Ziegelsteine in Riemchen schneiden lassen und diese als Wandverkleidung in Deutschland und Europa verkaufen? So können wir hier eine Produktion aufbauen von der Menschen leben können die “losgekauft” wurden und wir können die Ziegelriemchen als hochwertige Wandverblender in Europa verkaufen. So ist “Wiedergewonnen” geboren: Ein Unternehmen welches allen beteiligten zu Gewinnern macht. Vom “einfachen” Arbeiter, bis zum Endkunden soll jeder die Gewissheit haben mit uns einen echten Mehrwert zu erzielen. Und so wurde nach und nach ein Traum zur Wirklichkeit. Wir starteten eine Produktion in Pakistan und planten unsere ersten Messeauftritte. Als wir dann im Januar 2020 auf der IMM in Köln unsere Produkte den Architekten vorstellten, waren wir überwältigt von der Resonanz. “Auf so ein Produkt habe ich gewartet!” Sagte mir ein Architekt in seiner Begeisterung. “Echt Lehm und das komplett einzigartig. Kombiniert mit dieser tollen Geschichte. Super!” 

Wir gründeten mit Freunden aber zusätzlich noch einen Verein (“Donatio e.V.”) mit dem wir sowohl die alte Dame mit Ihrem Mann loskaufen als auch dessen Sohn, Patras mit seiner Familie. Ein Jahr später schauen wir zurück und können es selbst kaum glauben wie viel sich getan hat.
Die alte Dame arbeitet mit Ihrem Mann nun in einem Kinderheim als Heimleiter und Ihr Sohn ist bei uns angestellt. So konnten wir bereits einer ganzen Familie eine bessere Zukunft schaffen.

Und wir? Wir träumen noch größer: Unser Traum ist es, zusammen mit einem NGO ein ganzes Dorf aufzubauen. Ein Dorf wo Menschen Arbeit finden, die Kinder Bildung und die Familie eine sichere Unterkunft finden kann. Mit der #wgwn Familie sind wir noch ganz am Anfang. Zusammen mit dir wollen wir noch viel mehr Menschen aus diesem Teufelskreis herausholen und eine echte Perspektive, eine Alternative, einen nachhaltigen Mehrwert für Ihr Leben bieten. Wir sind der Überzeugung dass das Problem der Schuldsklaverei gelöst werden kann und durch nachhaltige Geschäftsideen wir die Welt ein kleines bisschen besser machen können.
Bist du dabei?